Auch bezogen auf das Denken betonen die Konnektionisten die Einbindung in das umfassende Netz des Welt-Wissens. Oaksford, Chater und Stenning machen zunächst darauf aufmerksam, daß hier wiederum empirische Daten das kognitivistische Modell widerlegt haben. Denn wenn das Rechnen mit Symbolen die Grundlage der Kognition wäre, müßte logisches Denken für den Menschen trivial sein - dies ist jedoch nicht der Fall. Wasons Karten-Test bewies das Gegenteil: 96 % der Testpersonen waren nicht in der Lage, eine logische Aufgabe zu lösen, die für einen Computer eine Kleinigkeit gewesen wäre. Es zeigte sich aber dann, daß die Lösung der Aufgabe dem menschlichen Denken wesentlich leichter fällt, wenn die abstrakten logischen Symbole ersetzt werden durch sinnvolle Begriffe aus dem Welt-Wissen (Städte, Verkehrsmittel). Dies ist ein starkes Argument gegen die Kognitivisten, für die logisches Denken nur durch seine Form, nicht aber durch seinen Inhalt bestimmt ist. Aus dem Karten-Test folgt, daß das Alltags-Denken sich nicht auf diese Weise erklären läßt.
Für Oaksford, Chater und Stenning bedeutet dies, daß auch das menschliche Denken wie das Gedächtnis eine Aufgabe besser lösen kann, wenn sie eingebettet ist in das Welt-Wissen. Sie machen auf das Problem der Anwendung logischer Regeln im Alltag aufmerksam: Anders als die Regeln der formalen Logik sind die Regeln des Common-sense-Denkens default options. Das bedeutet (nach der Erklärung Hofstadters, "Gödel, Escher, Bach", S.378 ), jeder einzelne Bewußtseinsinhalt ist zunächst abhängig von einem allgemeinen Muster, das individuelle Muster hängt gewissermaßen ab vom Muster der Spezies. Mit diesem Spezies-Muster sind jeweils bestimmte vorgeprägte ,,Meinungen" verknüpft - jene sogenannten "default options" - die zunächst immer ungefragt auf den Einzelfall übertragen werden, bis sich herausstellen sollte, daß sie im gegebenen Einzelfall nicht gültig wären. Solche default options bilden die Grundlage des Common-sense und fallen dem Menschen leicht, für Computer stellen sie dagegen ein schier unlösbares Problem dar. Wenn, so Oaksford, Chater und Stenning , ein Computer-Modell dem menschlichen Bewußtsein angemessen sein soll, dann müßte es derartiges Common-sense-Denken vorrangig unterstützen. Das kognitivistische Modell der Symbol-Manipulation ist dazu nicht in der Lage.
Nach dem konnektionistischen Modell dagegen arbeitet die menschliche Kognition wie ein Neuronales Netz mit einer Ähnlichkeitsmetrik auf der Grundlage von "defeasible rules". Modifikationen eines Aktivitätsmusters des Netzes führen durch die Ähnlichkeitsmetrik automatisch zur Modifizierung aller ähnlichen Muster - was ich über Schimpansen lerne, beziehe ich auch auf Gorillas, zumindest solange ich ("by default") über Gorillas nichts gegenteiliges erfahre.