Da psychologische Experimente ergeben haben,
daß das menschliche Gedächtnis content addressable ist (wie
sich z. B. beim Erkennen von unvollständig dargestellten Gesichtern
zeigt), so entspricht es folglich in seiner Funktionsweise einem Neuronalen
Netz. Die Kognitionstheorie des Konnektionismus
wird dadurch bestätigt.
Ein weiteres Argument der Konnektionisten ist die Feststellung, daß
das menschliche Gedächtnis nicht der Grenze seiner Leistungsfähigkeit
um so näher kommt, je reichhaltiger die zu merkende Information ist
- so müßte es sich gemäß der Theorie der orthodoxen
Kognitivisten verhalten. Tatsächlich ist es jedoch umgekehrt:
Der Mensch kann sich eine umfangreiche Information leichter merken als
eine knappe, vorausgesetzt, mit dem Umfang einer Information steigt auch
deren Redundanz. Daran knüpfen Oaksford, Chater
und Stenning nun ihre Theorie des Gedächtnisses: Jeder Teil einer
zu merkenden Information ist nicht unabhängig von der gesamten Information.
Das Erinnerungsvermögen hängt ab von dem Grad, in dem Menschen
fähig sind, das zu merkende Material in eine sinnvolle Organisation
zu bringen. Je besser ein bestimmter Informationsteil in den Kontext paßt,
desto leichter ist er zu merken. Anscheinend arbeitet das Gedächtnis
so, daß es diejenige Teilinformation sucht, die am besten zu der
übrigen Erinnerung des gegebenen Welt-Wissens (world knowledge)
paßt. Das Welt-Wissen ist das umfassende zusammenhängende System
von Vorstellungen, das die mutmaßliche Organisation der Welt kodiert.
Das bedeutet, daß ein großes Maß an Information implizit
bleiben kann, wenn es aus dem Welt-Wissen folgt. Nur dann, wenn das Material
unvorhersehbar und nicht aus dem Welt-Wissen abzuleiten ist, muß
sie explizit kodiert werden. Nach diesem Modell ist das Gedächtnis
also content addressable und fehlertolerant, weil es eine Information immer
in das kontextuale Netzwerk des Welt-Wissens stellt.