Gespräche ...
Herrn Brenken

Es gab einige Hürden zu überwinden, bevor Herr Brenken an einem Nach-
mittag im April sich "endlich" unseren Fragen stellte.
Schwierig war es gewesen,seine Zustimmung zu einem Gespräch zu bekommen.
"Muß das sein?", "So interessant bin ich doch gar nicht" und "Mir liegt es
nicht,im Mittelpunkt zu stehen" waren die üblichen Kommentare auf unsere
hartnäckigen Anfragen.
Nun, schließlich gab er mit "Einschränkungen"und einem gewissen "Unbehagen"
nach. Wir fragten uns,warum Herr Brenken,der sonst seine Schüler und Kollegen stundenlang mit "Zatzkes und Dammeleien" unterhalten kann,auf einnal ein derartiges Zaudern an den Tag legte.
Es war Angst. Angst vor einer einseitigen Darstellung seiner Person, das
nur ein paar Facetten des Charakters dargestellt würden.
Es zeigte sich,daß der Clown "Eddy" eigentlich ein nachdenklicher Mensch
ist, den vor allem die Sinnfragen beschäftigen. Doch davon soll später noch
die Rede sein.

Zu Beginn unseres Gespräches kamen auf die Fragen nach dem Beruf, über die
Schule, die üblichen Standardantworten, welche jeder Lehrer in seinem Repertoire hat. Da war dann die Rede vom Alleinsein bei der Notengabe und von der Verantwortung des Lehrers bei der Erziehung von jungen Menschen, aber auch von der auftretenden Langeweile, die der vorgeschriebene Themenkatalog mit sich bringt.
Spannender und interessanter wurde es dann, als Herr Brenken nach einer gewissen Aufwärmphase von sich zu erzählen begann und uns damit derart fesselte, daß wir unsere vorformulierten Fragen vergaßen und ihn reden ließen.
Dabei stellte sich heraus, daß er ein sehr sensibler Mann ist, der ständig
nachfragt, was später "unter dem Strich" herauskommt, ob sein Leben und Handeln sinnvoll war,--oder ob er später einmal, wie der Schuster Voigt aus dem Hauptmann von Köpenick auf die Frage nach dem Wert seines Lebens
antworten muß: Fußmatten,ich habe Fußmatten gemacht.
Herr Brenken bewundert deshalb auch Leute, die im Dritten Reich gelebt
und sich gewehrt haben. Und genauso schätzt er Mut und Eigenständigkeit,
Eigenschaften,von denen er nicht weiß, ob er sie in Krisensituationen
sein Eigen nennen darf.
Für den Individualisten Brenken sind Gängelei und totalitäre Systeme das
Allerschlimmste und er genießt den Freiraum, der ihm in der Bundesrepublik
Deutschland gewährleistet wird. Gleichzeitig findet er es jedoch schade,
daß der individuelle Spielraum fUr viele so selbstständig geworden ist,
daß der Verlust desselben vielleicht gar nicht bemerkt würde, oder was noch
schlimmer zu sein scheint, ihn nicht als etwas Verteidigungswertes ansehen.
Diese nachdenklichen Sätze scheinen im Widerspruch zu Brenken zu stehen,da
er, wie anfangs schon erwähnt,für Späße gern zu haben ist.
Das, so erklärte er uns, sei nur eine weitere Seite von ihm, eine gewisse
Art der Selbstdarstellung, um Situationen aufzulockern, sei es in der Schule
oder privat.
Ebenso sei es aber auch eine Art Selbstschutz, um möglichen Angriffen
vorzubeugen. Scherze über sich selbst und andere lenken ab von den, was hinter der (seiner) Maske steckt.
Zun Schluß "Dank" an Herrn Brenken für die aussagekräftigen Gedanken, und in der Hoffnung,daß ihm leidlich gefällt,was wir hier zu Papier gebracht haben.