Ganz normal

Ein ganz normaler Morgen im Lehrerzimmer, dargestellt unter Verwendung ganz
normaler Lehrersprüche:

(Man hat sich begrüßt, trinkt seinen Morgenkaffee,blättert in Kursheften ...
Herr Obst sucht nach einem Lied, mit dem er gleich den Unterricht in seinem
LeistungSkurs auflockern will)

Herr Obst: Wer kennt den Song "My Bonny is over the ocean"?
Herr Florian: Damtadamtam ... ?
Herr Leonhardt: Wir verbinden mit dieser Musik sofort Unwetter!
Herr Florian: Begreif ich nicht.
Herr Selka: Können Sie das vielleicht etwas genauer bezeichnen?
Herr Leonhardt: Tamtadadididadadi, kapiert, ja?!
Herr Schöning : Ja,gut!
Herr Leonhardt: Smetana war ganz anders ...
Herr Selka: So isses!
( Herr Rosenland spielt Palästinenservertreibung, zupft Blätter von einem
Gänseblümchen,murmelt: Libyen nimmt sie nicht auf, Marokko nimmt sie nicht
auf ...)
Herr Schöning: Halt die Klappe!
Herr Rosenland (schreckt auf): Ja,ja--nee--?!
Frau Bürger: Jetzt seid doch mal stille dahinten!
Herr Rosenland (flüstert unverständliche Worte in Herrn Schönings Richtung)
Frau Bürger: Seid ihr jetzt mal stille dahinten, ihr alten Schwätzonkels!
Herr Selka: Genau das, weiter!
Herr Höller: Als ich in den Kindergarten gehen sollte ...
Herr Helfenbein (reibt sich die Finger, leise zu Florian}: Es ist Winter,
Ziemlich kalt!
Herr Florian: Das ist richtig, das ist richtig, das ist richtig!
Herr Schöning: Jetzt paßt bitte auf!
Herr Höller: Als ich in den Kindergarten gehen sollte ...
Herr Selka: Viele Kinder bedeuten Volksglück!
Herr Fischer 2: Wie Sie wollen, weiter!
Herr Höller: Als ich den Kindergarten gehen
Frau Bürger: Is' mir völlig wurscht!
Herr Fischer 2: Das ist unschön, unschön im Deutschen.
Frau Bürger: Is' mir völlig wurscht!
Herr Selka: Die Frau gehört in den Haushalt!
Frau Bürger: Da bin ich mir gar nicht so sicher!
Herr Selka: Fragt mal 'nen Opa,oder so!
Herr Höller: Als ich in den Kinder...(Alles redet dazwischen)
Herr Schöning: Hört mal. Ihr müßt jetzt wirklich mal ruhig sein!
Herr Höller: Pscht,Pscht! Als ich in ...(bricht weinend ab, weil keiner
mehr zuhört)
Herr Brenken: So was seh' ich nicht gerne, das dürfen Sie nicht machen,
ich bin auch sensibel! (weint mit)
(kurzes,peinliches Schweigen)

Herr Selka (entschlossen): So, nächster Punkt!
Herr Florian: Was ist ein VEB?
Frau Bürger: Weiß ich nicht.
Herr Fischer 2: Das ist ein schwieriger Ausdruck!
Herr Selka: Da sind wir bei einem entscheidenen Problem!
Herr Störmann: Das ist richtig, jajaja, alles das, jaja ...
Alle schweigen, grübeln, Herr Selka ruft plötzlich: Kinder,wir
müssen wieder für's Jugendherbergswerk sammeln! (geht mit seinem
Klingelbeutel herum)
Herr Helfenbein: Haben Sie noch Fragen?
Herr Leonhardt: Wissen Sie was Korrelationen sind?
Herr Fischer 2: Relativsatz mit finalem Sinn, im Deutschen "sollen".
Herr Leonhardt: So,so.
Herr Schöning: Wann war die Reformation?
Herr Florian: Das ist in der Nibelungenhalle, das findet jedes
Jahr statt.
Frau Bürger: Versteh' ich aber jetzt nicht so ganz, was du meinst.
Referendar Luthe: Ich hab' das eigentlich die ganze Zeit nicht verstanden.
Herr Störmann: Nix kapito?
Herr Selka (tröstend): Kommt Zeit, kommt Rat!
(Herr Selka entdeckt auf seiner Tasse ein gemaltes Huhn, zeigt es Herrn
Barnitzke): Tucktucktucktucktuck!
Herr Barnitzke: Können Sie das mal übersetzen,was Sie da gesagt haben?
Herr Selka: Ich will Sie bloß ins Gespräch bringen.
(Herr Höller wischt sich mit einem Taschentuch die Tränen ab, reicht es Herrn Brenken): Wischi-waschi?
Herr Brenken (noch schluchzend): Ich habe Ihnen doch erzählt, ich war damals schon labil, ich laß' mich auch heute noch hängend treiben, wie ein Schilfrohr im Winde.
(Herr Höller nickt ihm verständnisvoll zu.)
Frau Bürger (singt): An einem warmen Frühlingsabend hat sich eine Amsel ...
Herr Leonhardt & Herr Florian: Tamtadadidi, damtadam ...
(Es klingelt, Herr Selka rennt, wie immer, in seine Klasse, ruft noch über die Schulter): Kriegsbeginn gleich nach den Ferien!
Herr Florian: Okay, okay ...